Zur Filmreihe
Im Herbst 2007 jähren sich zum 30. Mal die politischen Geschehnisse,  die in die Geschichte der Bundesrepublik als „Deutscher Herbst“ eingingen. Die gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen sind bis heute spürbar und spiegeln sich auch in den jüngsten Debatten um die Entlassung der RAF-Gefangenen wider.  Die Filmreihe will einen Einblick in die Dekade nach 1967 geben. Was bewegte die Menschen? Was waren die Gründe für die Radikalisierung der Bewegung und die Konfrontation mit der Staatsgewalt? Wie war das gesellschaftliche Klima, in dem sich die Ereignisse im Herbst 1977 zuspitzten?
"Bring it all back home" ist der Titel einer LP, die Bob Dylan 1965 veröffentlichte.  1969 benannte sich der weather underground nach einem der songs auf der Platte. "You don't need a weatherman to know, which way the wind blows", hieß es in dem Lied. Der weather underground war für zahlreiche spektakuläre Bombenanschläge auf militärische Einrichtungen in den USA verantwortlich. Das Ziel der Militanten war die Beendigung des Krieges in Vietnam. Der Krieg in Indochina drängte junge Menschen auf der ganzen Welt zum Handeln. Überall stellten sie die kapitalistische Ordnung in Frage und kämpften für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung. 

Auch in Deutschland entwickelte sich – ausgehend von den Universitäten - ab Mitte der Sechzigerjahre eine starke außerparlamentarische Bewegung. Nachdem am 2. Juni 1967 der Student Benno Ohnesorg während einer Demonstration gegen den Schah-Besuch in Berlin von einem Polizisten erschossen wurde, radikalisierten sich viele Aktivistinnen und Aktivisten. Die Frankfurter Kaufhausbrandstiftung 1968, mit der die späteren RAF-Gründer gegen den Vietnamkrieg protestieren wollten, wirkte wie ein Fanal. Mit der Befreiung von Andreas Baader am 4. April 1970 in Westberlin konstituierte sich die Rote Armee Fraktion. 1972 schließen sich verschieden militante Gruppen zur Bewegung 2. Juni zusammen. Ihre erfolgreichste Aktion war die Entführung des Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz und die Befreiung von fünf Gefangenen aus der Haft.  1973 trat eine Revolutionäre Zelle (RZ) mit Anschlägen auf Niederlassungen des US-Konzerns ITT erstmals in Erscheinung. 1978 verübte die feministische Rote Zora ihren ersten Anschlag, auf das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe wegen des §218-Urteils.  Über Ziele und Methoden des Kampfes wurde in der Linken heftig gestritten. Während die RAF Krieg im „Herzen der Bestie“ (Che) führen wollte, propagierten andere den „Kampf um die Köpfe der Menschen“(RZ). Doch viele Linke wollten davon nichts wissen und machten sich auf den „langen Marsch“ (Mao) durch die Institutionen.  Im Herbst 1977 war die Konfrontation zwischen Staat und Stadtguerilla auf dem Höhepunkt. Auch wenn sich danach viele Militante zurück zogen, setzte sich die Revolte fort. Neue soziale Bewegungen, wie die Anti-AKW-Bewegung, gewannen an Bedeutung. Doch nach dem Fall der Mauer 1989 schien der Niedergang der Linken unaufhaltsam. Die bewaffneten Gruppen der Siebzigerjahre lösten sich nach und nach auf oder traten nicht mehr in Erscheinung.

Die Erinnerung an die Jahrzehnte der Konfrontation ist verblasst, ihre Geschichte noch nicht geschrieben. Die Revolte ist jedoch nicht zu Ende. film in bewegung ist eine temporäre Assoziation von Aktivistinnen und Aktivisten aus der linken Bewegung und zeigt eine Auswahl von Filmen, die uns eine Tür zum Verständnis jener Jahre öffnen können.  Zahlreiche Filmemacherinnen und Filmemacher haben ihre Erfahrungen ab Ende der sechziger Jahre künstlerisch verarbeitet und mit ihren Werken Dokumente der Revolte geschaffen.  Manche Beiträge erscheinen überraschend aktuell. 

Im Programm sind Spielfilme wie der „Unsichtbare Aufstand“ und „Die Innere Sicherheit“, Dokumentationen wie „Starbuck Holger Meins“ und „The Weather Underground“ sowie einzigartige Kurzfilme aus dem Fundus der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, u.a. „Von der Revolte zur Revolution“ über die Blockade der BILD-Zeitung 1968 in Hamburg. Bei einigen Vorführungen sind Filmemacherinnen und Filmemacher und andere Akteure zugegen und stehen für Fragen zur Verfügung.